KV-CV-UV Kommers

Die Vororte von KV und CV waren am 14. Januar 2012 beim traditionellen Kommers der katholischen Verbände in Freiburg vertreten.

Geschlagen wurde der Kommers von e.v. K.St.V. Neuenfels im KV zu Freiburg unter dem Vorsitz des hohen Alt-Vorortspräsidenten Christian Szandor Knapp. In seiner Prinzipienrede führte er eine Identitätsbestimmung des katholischen Korporationswesens durch:

„Es leben die Studenten und Hier sind wir versammelt, hohe Festcorona, zeigen eindeutig, worin sich Korporierte jeglicher Couleur einig sind: Im Genuß einer ergötzenden Hopfenkaltschale.

Was aber ist mit den Unterschieden? Gewiß, sie liegen auf dem ersten Blick klar auf der Hand: Wir sind alle nicht-schlagend, weil es mit unserem katholischen Prinzip nicht vereinbar ist. Beim Farbentragen sind wir uns schon wieder uneins, aber ich spreche als KVer und aus dieser Perspektive heißt es auch: nicht-farbentragend.

Was mir bei den beiden Formulierungen jedoch Kopfzerbrechen bereitet, ist das Partikel „nicht“, das eine negative Abgrenzung bedeutet. Derartige Definitionen haben den eklatanten Nachteil, daß sie sich in ein Abhängigkeitsverhältnis zu dem begeben, das man negiert.

Ich suche also nach positiver Abgrenzung, etwas das wir haben, das andere Korporierte nicht haben. Natürlich wird man mir an dieser Stelle entgegnen: Wir sind Mitglieder von Verbänden, die katholisch sind.

Das ist auf einmal unglaublich viel und doch auch unglaublich wenig gesagt. Ich behaupte, daß es in unserer aktuellen Gesellschaft in Hinsicht auf andere Korporationsformen unglaublich wenig gesagt ist. Mehr noch: Ich behaupte, daß wir uns immer mehr einem Ideal von Korporation annähern, das nicht nur historisch nicht unseres ist, sondern uns auch schadet, weil wir damit andere verprellen, z.B. den UV.

„Steile Buxe“ ist mittlerweile ein gängiger Begriff in unseren Reihen geworden. Seine negativen Anklänge, seine Abgrenzung von denen, die schon Georg von Hertling, der Gründungsvater katholischer Korporationen, als die „Vaterländischen“ bezeichnet hat, sind verlorengegangen.

Die Gründe dafür liegen meiner Meinung nach offen zutage, zwei möchte ich erwähnen. Erstens:  Im Gegensatz zu früher gibt es heute viel weniger Studentenverbindungen bzw. Mitglieder selbiger und viel mehr Druck von außen. Da findet man sich schnell im selben Topf wieder und debattiert mit U-Asta und sonstigen Ideologie-Verbrämten stundenlang. Auf der einen Seite die Kritiker, auf der anderen Seite Burschenschafter, Corpiers und wir katholisch Korporierte gleichermaßen, in derselben Veranstaltung.  Verloren geht dabei aber meist, auch in unseren eigenen Köpfen, daß wir eben nicht im selben Topf sitzen, daß wir eben nicht dieselben Wurzeln, dieselbe Geschichte und dieselbe Einstellung haben wie konfessionsfreie Korporationen.

Zweitens: Das schon eingangs erwähnte Katholizitätsprinzip hat an Durchschlagskraft verloren. Das ist eine gesellschaftliche Entwicklung, gegen die sich zu wehren, eine Sysiphos-Arbeit ist und vielleicht sogar etwas weltfremd. Religion hat – obwohl es ihr von ihrem Selbstverständnis her zusteht – in unserem säkularisierten Staat nur noch eine untergeordnete Rolle. Katholisch getaufte Mitglieder allein garantieren schon lange nicht mehr katholisches Verbindungsleben.

Das reißt Lücken ins Selbstverständnis, es werden neue Identifikationsobjekte gesucht und man findet sie – ja, wo? In Sitten und Gebräuchen anderer.

Anders ist es mir nicht zu erklären, wieso denn nun schon seit 20 Jahren eine Diskussion im KV entstanden ist, die sich um das Farbentragen dreht, das davor nie zur Debatte stand und gerade von den heutigen Rädelsführern seinerzeit aufgegeben wurde, um überhaupt erst Mitglied im KV zu werden.

Anders ist es nicht zu erklären, daß man sich bei Couleurbummeln im EKV mitunter vor die Wahl gestellt sieht, sofort trinken zu müssen, bevor überhaupt ein nettes Wort gewechselt wurde, oder das Haus sofort zu verlassen.

Und es entzieht sich völlig meinem Verständnis, wie man als katholisch Korporierter auch nur im Ansatz auf die Idee kommen kann, sich einmal genossenen Bieres vorsätzlich wieder zu entledigen. Das ist Verschwendung eines Grundnahrungsmittels (ja, in Bayern ist das so), von dem noch Benjamin Franklin sagte, daß es – jenes gerstenhaltige Nahrungsmittel –  der untrüglichste Beweis der Liebe Gottes zu den Menschen sei, weil er ihn glücklich sehen wolle. Man stelle sich nur vor, wir würden anfangen Kiloweise Brot in uns zu stopfen, um es dann per Fingermechanik dem Ausguß zu überlassen.

Hier kommt zum Tragen, was eingangs erwähnter Georg von Hertling, der später Reichskanzler wurde, schon im September 1863 anläßlich der 15. Generalversammlung katholische Vereine Deutschlands, dem heutigen „Katholikentag“, über andere Korporationsformen zu berichten wußte: „Ausgehend von einem falschen Ehrbgeriff“ wird „eine gewissse Ritterlichkeit an die Spitze [der] Bestrebungen gestellt, die deshalb bald in leeren Formenkram“ ausarten muß. Auf diese Form der Ritterlichkeit, auf diese Form seinen Mann zu stehen und mir ein Standing zu verschaffen, indem ich mir möglichst viel Bier in möglichst kurzer Zeit „reinstelle“, kann ich verzichten.

Ältere unter Euch werden ihn vielleicht noch kennen, den Witz vom Corpsstudenten von Zissewitz, der zu Lebzeiten 127 Partien erfolgreich gefochten hat und nach seinem Ableben vor dem Himmelstore zum Waffengang mit Petrus, Michael und Gott höchstpersönlich fordert, weil sie doch tatsächlich die Impertinenz besaßen, ihn zu duzen. Petrus wählt als Waffe den Schlüssel mit ihm hat von Zissewitz kein Problem, selbst den Erzengel Michael mit dem Flammenschwert bezwingt er. Als Gott jedoch zu seiner Waffe – dem Wort greift – schmeißt von Zissewitz seinen Schläger hin und flüchtet: „Nicht schon wieder einer vom KV“ murmelt er.

Dieser Witz hat heute viel von seiner Grundlage und Glaubwürdigkeit verloren, weil wir uns nicht mehr trauen, die zu sein, die wir sind: katholisch Korporierte, die es nicht nötig haben, sich einem studentischen Ehrbegriff – und sei es nur am Glase –  anzubiedern. Wir sind, wer wir sind mit Recht und haben es auch nicht nötig, uns in irgendeiner Form zu beweisen.  Alles andere ist Hohn ins Gesicht unserer Vorgänger, die sich für Kirche und Staat eingesetzt haben wie sonst niemand. Es waren nicht Corporierte und Burschenschafter mit Band und Mütze, denen wir unser Grundgesetzt verdanken, das weltweit Beispielcharakter hat – es waren unsere Kartellbrüder.

Man darf es sich auf der Zunge zergehen lassen, hohe Corona, daß die stärksten Korporiertenverbände – also wir vom KV und CV und all die anderen, die sich im EKV zusammengefunden haben – uns an den mitgliederschwächsten Verbänden orientieren, als ob diese das Maß der Dinge wären und uns zeigen könnten, was es heißt, seiner Korporation gerecht zu werden.

Wir brauchen andere Vorbilder, wir brauchen einen neuen Stolz.  Ich wünsche mir inständig – christlich reflektierte, dialogbereite Verantwortung statt falscher Ehrbegriffe und leeren Formenkram.

Gratias!“

– Christian Szandor Knapp, Nf!

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