Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2013

Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2013

Christliche Werte in der Politik stärken

Die Arbeitsgemeinschaft katholischer Studentenverbände (AGV) e.V. vertritt mit ihren Mitgliedsverbänden rund 10.000 katholische Studenten an nahezu allen deutschen Hochschulen. Wir begleiten die politischen Diskussionen und Entscheidungsfindungen in der Bundesrepublik kritisch und vertreten unsere Positionen in Politik und Gesellschaft. Dabei sind wir parteipolitisch ungebunden. Maßgeblich für unsere Haltung ist das christliche Menschenbild.
Im Vorfeld der Wahlen zum Deutschen Bundestag 2013 sind wir deshalb auf der Suche nach Politikern, die christliche Werte verteidigen und in ihrem täglichen Handeln für diese Überzeugung einstehen.
Als Folge der geistigen Säkularisation, der Lösung von religiösen Bindungen in unserer pluralistischen Gesellschaft, gibt es heute immer weniger Persönlichkeiten in der Politik, die aus festen christlichen Bindungen kommen und so von ihrem Glauben und von einem christlichen Menschenbild geprägt sind. Die Zahl der Politiker, für die Glaube und politisches Engagement ganz selbstverständlich eng und unmittelbar verflochten sind, nimmt ständig ab. Überzeugte Christen sind im eigentlich politischen Feld eher die Ausnahme geworden.
Doch gerade sie werden nach Auffassung der katholischen Studentenverbände heute dringender denn je gebraucht, um christliche Grundhaltungen überzeugend und nachhaltig in die politische Willensbildung einzubringen. Angesichts der fortdauernden Finanz-, Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise, des voranschreitenden Klimawandels und der mit ihm verbundenen Wende hin zu neuen und nachhaltigen Formen der Energiegewinnung sowie der Zurückdrängung des bürgerlichen Werteverständnisses in weiten Teilen der Gesellschaft braucht es eine klare Orientierung für die Herausforderungen unserer Zeit.
Dazu gehört in erster Linie die Besinnung auf jene Grundlagen, von denen Christen bestimmt sein müssen, wenn sie ihre Verantwortung für die Welt wahrnehmen. In den Aussagen des II. Vatikanischen Konzils heißt es: „Das Erlösungswerk Christi zielt an sich auf das Heil des Menschen, es umfasst aber auch den Aufbau der gesamten zeitlichen Ordnung. Daraus ergibt sich für den Christen die Notwendigkeit, die zeitliche Ordnung im Geiste des Evangeliums zu vervollkommnen und zu durchdringen“ (Apostolicam Actuositatem, 5).
Dabei lässt er sich zum einen von den Grundsätzen einer christlichen Ethik leiten, zum anderen von der grundlegenden Verpflichtung des einzelnen, über den unmittelbar individuellen Bereich hinaus die aus der Sozialnatur des Menschen erwachsene Verpflichtung für die Gesellschaft als Ganze zu sehen und zu beachten.
Dies heißt aber auch, dass der Christ das Handeln des einzelnen Politikers und der Parteien im Geiste des Evangeliums prüfen soll. Diese Prüfung hat den Glauben zum Maßstab, nicht als konkretes Handlungsprogramm, sondern als normative Orientierung.

Schuldenkrise überwinden – Demokratie stärken – Chancen für kommende Generationen erhalten

Die europäische Staatsschuldenkrise beherrscht in der aktuellen 17. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages die Agenda und wird auch nach der Wahl 2013 das bestimmende Moment deutscher und europäischer Politik bleiben. Die Stabilität der Währungsunion und mit ihr das weitere Schicksal der gesamten Vision eines geeinten Europa entscheidet sich in den kommenden Monaten.
Wir als katholische Studentenverbände bekennen uns klar zu einem geeinten, freien, friedlichen Europa der Nationen. Dazu gehört auch die gemeinsame Währung, der Euro. Diese großen Errungenschaften dürfen nicht auf dem Altar nationalstaatlicher Egoismen geopfert werden. Solidarität unter den Mitgliedsstaaten zum Wohle aller ist für uns selbstverständlicher Bestandteil dieser Idee. Klar muss aber auch sein, dass diese Solidarität nicht endlos ist. Sie beruht auf Gegenseitigkeit und darf nicht zu einseitiger Ausnutzung führen. Vereinbarte Reformen müssen durchgeführt werden, auch wenn sie schmerzhaft sind. Auch die Kraft der starken Länder Europas, wie Deutschland, ist endlich. Der Gedanke der Solidarität findet dort seine Grenze, wo die Gemeinschaft als Ganzes gefährdet wird. Deshalb muss es in letzter Konsequenz auch möglich sein, dass Staaten die Eurozone wieder verlassen.
Gerade in dieser schweren Krise kann die Europäische Union nur bestehen, wenn sie von den Bürgern ihrer Mitgliedsstaaten anerkannt und als legitim betrachtet wird. Deshalb setzten wir uns für die Stärkung der Demokratie auf europäischer Ebene ein. Europa als Staatenverbund bedeutet aber auch ganz klar eine Vorrangstellung des nationalen Souveräns. Die Abgabe nationalstaatlicher Kompetenzen an die Europäische Gemeinschaft soll im Sinne des Subsidiaritätsprinzips nur in eng gesteckten Grenzen erfolgen und die demokratische Legitimation des Handelns der europäischen Akteure muss gewahrt bleiben. Insbesondere das Haushaltsrecht als Königsrecht des Parlaments darf in keiner Weise beschnitten werden, so sehr die aktuelle Krise es auch zu verlangen scheint. Der Bundestag als frei gewählte Vertretung des deutschen Volkes und mit ihm jeder Abgeordnete muss sich stets an diesem Anspruch messen lassen.
So gilt es auch, der immer stärker werdenden Politikverdrossenheit entgegenzuwirken, die sich durch Wahlenthaltung, Protestwahl oder sogar sogenannte „Spaßparteien“ Ausdruck verleiht. Auch wenn viele Bürger nach wie vor politisch denken, sich an politischen Aktionen wie zum Beispiel den Protesten gegen Stuttgart 21 beteiligen, und auch der theoretische Zuspruch zur Demokratie als Regierungsform ungebrochen hoch ist, so geschieht dieses Engagement doch vielfach im Gegensatz zum Parteiensystem traditioneller Prägung. Hier ist es Aufgabe der Parteien, Wähler wieder neu für sich zu begeistern und neue Beteiligungsformen zu erproben. Dies darf jedoch nicht zu einem Selbstzweck und einer reinen Schauveranstaltung verkommen. Langfristig kann die Legitimität des Parteiensystems nur erhalten werden, wenn der Bürger aktiv an ihm partizipiert und die Parteien als lebendige Organe demokratischer Willensbildung fungieren.
Auch wenn Deutschland gegenwärtig noch scheinbar gut durch die Krise kommt, so sind doch auch hierzulande die Haushalte von Bund, Ländern und Kommunen massiv überschuldet. Dies gefährdet die Aussichten der heute jungen Generation und das Potential Deutschlands in der Zukunft. Die im Bund und den meisten Bundesländern beschlossenen Schuldenbremsen sind ein erster Schritt in die richtige Richtung. Trotzdem muss mittel- bis langfristig die Rückführung der Schulden das Ziel sein, um zukünftigen Generationen Handlungsspielraum in der Gestaltung ihrer Gegenwart zu geben. Außerdem muss sichergestellt werden, dass sich in Zeiten knapper öffentlicher Mittel und zurückgehender Leistungen der Sozialsysteme die Schere zwischen Arm und Reich nicht noch weiter öffnet. Auch hier muss weiterhin der Solidaritätsgedanke im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe greifen.

Den Klimawandel bewältigen – Neue Energien sinnvoll einsetzen

Der weltweite Klimawandel ist angesichts der Krise des Euro in den Hintergrund gerückt. Die Bedrohung ist jedoch real und in vielen Regionen der Erde schon heute zu spüren. Die Lebensräume vieler hunderter Millionen Menschen sind bedroht, und die zu erwartenden Kosten übersteigen die der aktuellen Krise um ein vielfaches. Dieser Prozess geht nicht unmittelbar, sondern langsam von statten. Aber wer heute jung ist, wird sich in Zukunft ganz neuen Herausforderungen gegenübersehen. Es ist deshalb die gemeinsame Aufgabe aller, Gottes Schöpfung auch für kommende Generationen als einen lebenswerten Raum zu erhalten.
Dieses Ziel erfordert ein Umdenken in vielen Bereichen. Mit der Energiewende und den angestoßenen Programmen – beispielsweise zur Elektromobilität und Gebäudesanierung – sind erste Schritte in die richtige Richtung getan. Dies kann jedoch nur ein Anfang sein. Die AGV fordert ein nationales Energiekonzept, das ökologische Nachhaltigkeit gewährleistet, andererseits aber die Versorgungssicherheit und die Bezahlbarkeit für alle garantiert. Dabei darf keine ideologische Scheuklappenpolitik betrieben werden, sondern es müssen die vorhandenen Ressourcen effektiv und intelligent eingesetzt werden. Das Ziel bleibt der mittelfristig weitgehende Verzicht auf fossile Energien. Bis die erneuerbaren Energien konkurrenzfähig sind, müssen sie jedoch weiterhin genutzt werden. Nur so kann eine sichere Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft gewährleistet werden. Die Verwendung von Biomasse zur Energieerzeugung und für die Mobilität sieht die AGV kritisch. Diese darf nicht auf Kosten der Versorgungssicherheit der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln geschehen.
Deutschland kann jedoch in dieser globalen Frage nicht isoliert betrachtet werden. Eine Begrenzung der Erderwärmung auf das kaum noch realistisch erscheinende Zwei-Grad-Ziel des Kyoto-Protokolls oder zumindest nicht weit darüber hinaus kann nur als gemeinsame weltweite Anstrengung gelingen. Die Bundesrepublik muss die ihr zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um dieses Ziel auf internationaler Ebene weiter zu forcieren. Angesichts der weltweiten Finanzkrise darf diese Frage im Sinne der kommenden Generationen nicht hintangestellt werden.

Das Leben schützen

Im Mittelpunkt aller politischen Überlegungen muss der Mensch stehen. Der Schutz seiner Würde und des Lebens sind aus Sicht der katholischen Studenten unangreifbare Grundsätze jedes Handelns. Aus dieser christlichen Überzeugung heraus hat sich die AGV in der vergangenen Legislaturperiode für ein vollständiges Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID) stark gemacht. Das Leben ist nach unserer Überzeugung auch vor der Geburt unbedingt schützenswert, und die Gefahr eines Missbrauchs der PID für eine vorgeburtliche Selektion „lebenswerten“ Lebens ist aus unserer Sicht zu groß. Wir negieren nicht den wissenschaftlichen Fortschritt und die sich positiv auswirkenden neuen Erkenntnisse der Medizin, fordern jedoch eine Ausrichtung jeder Forschung an einer das menschliche Leben in allen seinen Ausprägungen bejahenden Ethik.
Der am 7. Juni 2011 vom Deutschen Bundestag gefasste Beschluss einer Zulassung der PID in gewissen Grenzen ist aus unserer Sicht daher kein optimales Ergebnis. Auch der nach langer Beratung vom Bundesgesundheitsministerium vorgestellte Entwurf einer Verordnung zur Umsetzung dieser Entscheidung ist in mehreren Punkten aus unserer Sicht alles andere als akzeptabel. Wie wir auch in einem Schreiben an das Gesundheitsministerium bereits betont haben, ist für uns nicht ersichtlich, warum bei den zu erwartenden Fallzahlen nicht eine zentrale, mit bundesweiter Kompetenz ausgestattete Stelle für die Entscheidung über die Durchführung einer PID zuständig sein soll. Nur mit einer zentralen Behörde kann Einheitlichkeit und Kontinuität in den Entscheidungen sichergestellt werden, innerdeutscher „PID-Tourismus“ von einer Einrichtung zur nächsten verhindert und die Datenerhebung und -verwertung effizient und effektiv gestaltet werden.
Die AGV betrachtet zudem die sich weiter abzeichnenden Entwicklungen in der Genomforschung mit Sorge. Denn wir sehen durch die immer größeren und leichter durchführbaren Möglichkeiten, das Genom eines Embryos pränatal untersuchen zu lassen, die Gefahr, dass sich werdende Eltern durch die Gesellschaft oder gar von Krankenkassen zu einer derartigen Untersuchung genötigt bzw. verpflichtet sehen könnten, um etwaige genetische Mutationen oder Defekte noch vor der Geburt auszuschließen. Selbst Ansätzen hierzu muss energisch entgegengetreten werden. Eltern besitzen ein „Recht auf Nichtwissen“ und müssen dieses behalten dürfen. Wir als Gesellschaft müssen bejahend auf Menschen mit Behinderungen zugehen und dürfen auch vor werdenden Eltern nicht den Eindruck erwecken, ein Abweichen von der „Norm“ sei ein „Fehler“, den es zu korrigieren gelte. Wir fordern deshalb ein klares politisches Bekenntnis für einen besseren Schutz des Lebens. An dieser Stelle muss ein endgültiger Haltepunkt gesetzt werden, über den wir nicht hinausgehen dürfen.

Der Weg zur „Bildungsrepublik“

Die deutsche Hochschullandschaft befindet sich auch mehr als zehn Jahre nach Beginn des sogenannten Bologna-Prozesses weiterhin in einer Phase der Konsolidierung. Insbesondere die Ziele der nationalen und internationalen Mobilität und Anerkennung der Studienleistungen ist aus Sicht der AGV noch nicht zufriedenstellend erfüllt. Die vielerorts entstandenen Spezialstudiengänge erschweren mit ihren sehr stark ausdifferenzierten Studienordnungen den Wechsel und behindern gleichzeitig die Anerkennung der neuen Studienabschlüsse („Bachelor“ und „Master“) in Wirtschaft und Gesellschaft. Wir halten die Durchsetzung einheitlicher Rahmenbedingungen über die Grenzen der Bundesländer hinweg für unbedingt notwendig, um den Studenten ein problemloses Wechseln an andere Hochschulstandorte ohne Verluste an Zeit und Arbeitsleistung zu ermöglichen.
Die von der Politik forcierte Idee, nur ein kleiner Teil der Studenten solle nach dem in der Regel dreijährigen Bachelor-Studium ihr Studium fortsetzen und der Rest sofort dem Arbeitsmarkt „zur Verfügung stehen“, erweist sich schon heute als illusorisch und geht an der Lebenswirklichkeit der Studenten völlig vorbei. Weder bieten Wirtschaft und Gesellschaft genügend Beschäftigungsmöglichkeiten für diese Absolventen, noch wollen die meisten Studenten auf eine fundierte akademische Ausbildung zugunsten eines reinen „Grundstudiums“ mit schlechten Berufsaussichten verzichten. Da sich an diesem Zustand in absehbarer Zeit nichts ändern wird, fordern wir die Bereitstellung einer ausreichenden Anzahl von konsekutiven Master-Plätzen für alle Interessenten mit entsprechender Qualifikation. Die häufig von Bildungspolitikern wiederholte Forderung, die Unternehmen sollten Berufsmöglichkeiten für Bachelor-Absolventen schaffen, geht sowohl am Bedarf der Wirtschaft als auch an den Wünschen der jungen Generation vorbei. Deutschland setzt damit seine wichtigste Ressource, Bildung und Wissen, leichtfertig aufs Spiel und gefährdet damit seine wirtschaftliche Position in der Welt.
Die AGV begrüßt ausdrücklich die Bemühungen der Bundesregierung und den fraktionsübergreifenden Konsens der Bundestagsparteien, Hochschulfinanzierung nicht weiter als alleinige Aufgabe den Ländern zu überlassen, sondern strukturelle Reformen im Föderalismus anzugehen und so bald wie möglich umzusetzen. Um die deutschen Hochschulen zukunftsfähig zu machen, ist es aus unserer Sicht unabdingbar, ihnen einen finanzstarken Haushalt für Forschung und Lehre bereitzustellen, damit sie international wettbewerbsfähig bleiben oder überhaupt erst wettbewerbsfähig werden. Dies können die deutschen Bundesländer allein nicht leisten. Die AGV begrüßt deshalb die die Exzellenzinitiative als sinnvolle Maßnahme zur Förderung exzellenter Forschung. Dies kann jedoch nur ein erster Schritt sein. Insgesamt stellt sich die Frage, ob die vorherrschende föderale Zersplitterung guter Wissenschaft und Ausbildung, auch und vor allem in der Breite, nicht im Wege steht. Aus dieser Überlegung heraus fordern wir die Aufhebung des Kooperationsverbots (Artikel 91b GG) und die Förderung von Kooperationen unter den Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen. Nur durch klare Vorgaben von Seiten des Bundes kann Deutschland das Ziel einer echten „Bildungsrepublik“ erreichen und im internationalen Vergleich bestehen.
Die Familie als Basis einer funktionierenden Gesellschaft
„Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ war eines der Schlagwörter dieser und der vergangenen Legislaturperiode, und angesichts des demographischen Wandels und der umgekehrten Alterspyramide mit allen einhergehenden Problemen wird es uns sicher auch in der kommenden Legislaturperiode begleiten. Die AGV begrüßt grundsätzlich den Ausbau der Betreuungsmöglichkeiten für Kleinkinder und die damit entstehende größere Flexibilität für Väter und Mütter. Wir sehen jedoch kritisch, dass durch diese an sich positive Entwicklung die hergebrachte Erziehung zu Hause und mit ihr die Rolle des erziehenden Elternteils zunehmend entwertet oder sogar schlechter als eine staatlich organisierte und mitfinanzierte Betreuung angesehen wird. Die Erziehung zu Hause ist insbesondere in den ersten Lebensjahren für das Kind weder schädlich, noch fehlt es ihm dort an „professioneller“ Betreuung. Vielmehr sind Mutter, Vater und Geschwister das natürliche Lebensumfeld eines Neugeborenen und – bis auf die wenigen Ausnahmen einer gestörten Familiensituation – auch heute noch als Idealfall anzusehen. Trotzdem ist anzuerkennen, dass dies aus den verschiedensten Gründen von den Eltern nicht immer geleistet werden kann.
Wir plädieren an dieser Stelle deshalb für eine echte Wahlfreiheit. Die Rolle der Eltern als die natürlichen Erziehern ihrer Kinder muss gestärkt werden und die nötige gesellschaftliche Anerkennung erfahren. Sie darf keinesfalls gegenüber vermeintlich „moderneren“ Erziehungsformen als zweitrangig bewertet oder – auch finanziell – benachteiligt werden. Dies gebietet schon die grundgesetzlich garantierte Sonderstellung der Familie. Wir sehen mit Sorge, dass auf junge Familien zunehmend ein unterschwelliger Druck ausgeübt wird, diesen Weg nicht zu verfolgen. Hier muss unbedingt entgegengewirkt und von Staat und Gesellschaft die nötige Anerkennung für die große Erziehungsleistung der Eltern aufgebracht werden.
Wer sich jedoch bewusst entscheidet, die Betreuung und Erziehung seines Kindes staatlichen oder privaten Institutionen zu überlassen, der sollte dazu auch die Möglichkeit haben. Die AGV begrüßt deshalb den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ausdrücklich, mit dem den sich wandelnden Lebensumständen, insbesondere auch in Akademikerfamilien, Rechnung getragen wird. Dieses Konzept kann jedoch nur aufgehen, wenn weiterhin Anreize geschaffen werden, schon in jungen Jahren Kinder zu bekommen, ohne dass das eigene berufliche Fortkommen darunter leidet. Flexiblere Beschäftigungsverhältnisse und eine bessere Anpassung der universitären Ausbildung an die Bedürfnisse junger Eltern müssen noch energischer umgesetzt werden. Junge Eltern erbringen eine nicht zu unterschätzende Leistung für die Gemeinschaft und haben alle mögliche Anerkennung und Förderung verdient.
Unterstützung der Christen in der Welt
Christen sind in vielen Teilen der Erde von Verfolgung bedroht oder werden zumindest an der freien Ausübung ihres Glaubens gehindert. Christen bilden die mit Abstand am meisten verfolgte und diskriminierte religiöse Gruppe weltweit. Die AGV fordert hier ein stärkeres Engagement sowohl der Bundesrepublik Deutschland wie auch der Europäischen Union. So müssen diese politischen Ebenen die Regierungen der Länder, in denen Christen unmittelbarer Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt sind (zum Beispiel in Nigeria), zu entschlossenem Handeln gegen jede Form religiös motivierter Gewalt anhalten und auf den besonderen Schutz der sich in diesen Ländern in der Minderheit befindenden Christen dringen. Mindestens genauso wichtig ist aber auch eine entschiedene Haltung gegenüber den Staaten, die von staatlicher Seite aus Christen an der freien Ausübung ihrer Religion hindern oder sie aufgrund ihres Glaubens diskriminieren. Für Deutschland und Europa war die Einsicht, dass die von staatlicher Seite garantierte freie Religionsausübung für Angehörige aller Religionen ein hohes Gut, gar ein Menschenrecht ist, ein langer Prozess, der diese Einsicht mittlerweile fest im historischen Gedächtnis verankert hat. Natürlich ist das europäische Verständnis in andere Kulturen und historische Erfahrungen nicht exakt transformierbar. So kann es auch nicht Ziel sein, Staaten und Gesellschaften ein gewachsenes Verhältnis von Staat und Religion zu oktroyieren. Jedoch wohnt der Menschenwürde ein universeller und naturrechtlicher Geltungsanspruch inne, aus dem die Verpflichtung resultiert, den Schutz der Menschenwürde und mit ihr auch der Religionsfreiheit global einzufordern. Diese Einsicht gilt es gegenüber Partnern auf internationaler Ebene immer wieder zu betonen und mutig zu vertreten, sei es bei Beitrittsverhandlungen zur Europäischen Union oder bei Abkommen auf politischer und wirtschaftlicher Ebene. Die Vertiefung von zwischenstaatlichen Beziehungen, von wirtschaftlicher Zusammenarbeit oder von Entwicklungshilfe sollte von Fortschritten in Menschenrechtsfragen abhängig gemacht werden. Die Verfolgung von Christen in der Welt verpflichtet die Bundesrepublik, diesen Zustand als Asylgrund anzuerkennen und verfolgten Christen in Deutschland Asyl und Schutz zu bieten. Die katholischen Studentenverbände sehen Deutschland und Europa in einer besonderen Verantwortung, jeder Form von Intoleranz und Verfolgung entschieden entgegen zu treten.

Wertegebundenheit als Maßstab politischen Handelns

Das demokratische Gemeinwesen braucht vertrauenswürdige und verantwortliche Repräsentanten, die Führungsaufgaben so verlässlich wahrnehmen, dass die Bürger sich an Person und Position orientieren können. Der Kampf um den Erwerb und die Erhaltung politischer Macht ist ein notwendiges Element im politischen Prozess. Politiker müssen dabei das Vertrauen der Bürger erwerben. Der demokratische Staat ist darauf angewiesen, dass Politiker sich an ethischen Maßstäben messen und sich von anderen darauf ansprechen lassen.
Dieser ethische Maßstab ist für uns das christliche Menschenbild. Nächstenliebe, Schutz des Schwächeren, Respekt vor der Schöpfung und die Würde des menschlichen Lebens sind die Leitlinien, an denen sich Politik auszurichten hat. Er ist allumfassend und lässt sich nicht auf Einzelfragen reduzieren, sondern muss die Richtschnur jeder politischen Entscheidung auf jedem Politikfeld sein. Nur durch eine wertegebundene Handlungsweise kann man Glaubwürdigkeit, Vertrauen und Transparenz herstellen und damit die Ursachen der verbreiteten Politik(er)verdrossenheit bekämpfen. Ein demokratisches Gemeinwesen braucht engagierte Bürger, die aktiv an der Entscheidungsfindung beteiligt sind und am politischen Prozess partizipieren. Gleichzeitig braucht es glaubwürdige Vertreter, die – durch Werte geleitet – Politik aus dem christlichen Menschenbild heraus betreiben und dadurch eine Vorbildfunktion einnehmen.

Die AGV im April 2013

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